Schulleben


Die Frauenauer Grundschüler sind Feuer und Flamme für das Glas
Es ist Pflichtprogramm in unserer Region, den Schülern im Fach Heimat- und Sachunterricht alles Wissenswerte über das Thema Glas zu vermitteln. Gerade der Glasmacherort Frauenau, das gläserne Herz im Bayerischen Wald, hat eine alte Glastradition. Auch wenn die Arbeitsplätze in diesem Handwerk immer weniger werden, haben auch heute noch viele Kinder durch die eigene Familie oder durch Freunde einen engen Bezug zum Glas. Als in den Klassen 3/4 und 4 mit dem Thema Glas begonnen wurde, brachten viele Schüler Anschauungsmaterial von zu Hause mit. "Das hat mein Vater mundgeblasen" oder "Das ganze Werkzeug gehört meinem Opa", verkündeten die Kinder stolz. Gerne nutzt die Frauenauer Grundschule natürlich auch die vielen außerschulischen Lernorte zu diesem Thema. Daher machten sich die Klassen gemeinsam mit Klassenlehrerinnen Corinna Lerach-Wirsich und Evi Wenig auf, um sich vor Ort von Experten informieren zu lassen. Erste Station war die Glashütte Eisch, in der seit über 60 Jahren handgearbeitetes Glas hergestellt wird. Der Gründer der Glashütte Eisch, Valentin Eisch, war seit 1914 als Graveurmeister in der Kristallglasfabrik Gistl beschäftigt, bevor er 1946 zusammen mit seiner Frau Therese einen eigenen Veredelungsbetrieb gründete. Zu Beginn wurde den Kindern in einem Film die lange Tradition der Eischhütte aufgezeigt und schnell erkannten sie die Philosophie dieses Familienbetriebs. Alfons Eisch und Karin Wagner führten anschließend die Schüler in zwei Gruppen durch den gesamten Betrieb. So konnte jeder die Entstehung eines Produktes von den Rohstoffen angefangen bis hin zum veredelten Endprodukt hautnah verfolgen. Sehr früh am Morgen beginnt die Arbeit des Glasmachers. Er formt das flüssige Glas, das während der Nacht vom Glasschmelzermeister geschmolzen wird, in kunstvolle Objekte. Um dem Glas die gewünschte Form zu geben, wird es in Holzformen aus heimischem Buchenholz eingeblasen, die in der Drechslerei der Glashütte in Handarbeit hergestellt werden. Die Schüler verfolgten am Heißglasofen die Entstehung einer Weinkaraffe. Schnell erkannte jeder, welches technische Know-How, welch handwerkliches Geschick und welche künstlerischen Fähigkeiten dazu nötig sind. Mit speziellem Glasmacher-Werkzeugen und geschickten Händen wissen die erfahrenen Glasmacher, wie sie mit dem zähflüssigen Material umzugehen haben, um daraus wunderbare, einzigartige Glasprodukte herstellen zu können. Jetzt, so Eisch, muss nach dem mehrstündigen Abkühlvorgang die Kappe abgeschnitten und der Rand fein geschliffen werden. Auch durfte die Gruppe zuschauen, wie Reinhold Simmeth vor der offenen Flamme arbeitet: der Kunstglasbläser erhitzt vorgefertigte Röhren, um sie formbar zu machen. Dann ging es weiter in die Malerei. Dort wird Glas unter anderem mit Echtgold von Hand bemalt. In der Glashütte Eisch gibt es aber noch weitere Spezialisten für andere Veredelungsarten wie den Glasschliff, die Glasgravur und die Sandstrahlung. Kindgerecht und interessant erfuhren die Schüler Wissenswertes rund um das Glashandwerk und konnten sich bei der Führung auch immer wieder einmal mit Gelerntem einbringen. Die Möglichkeit, von der Schmelze bis zur Veredelung den Entstehungsprozess eines Glasobjektes zu erleben, nutzte die Grundschule Frauenau gerne und bedankte sich bei Alfons Eisch und Karin Wagner für die tolle Führung. Als Andenken bekam noch jeder Schüler einen "Eisch-Glastaler" und der ein oder andere kaufte im Werksverkauf noch ein kleines Glaspräsent. Auf dem Heimweg waren sich alle einig: Ein Unterrichtsthema so hautnah zu erleben, macht nicht nur Spaß, sondern man lernt dabei auch eine ganze Menge. Zweite Station war das Glasmuseum Frauenau. Barbara Stadler führte die Klassen durch das Museum und erläuterte verschiedene Stationen und Ausstellungsstücke des Rundgangs. Anschließend erkundeten die Kinder eigenständig das Museum und bearbeiteten verschiedenste Fragen im neu überarbeiteten Museumsführer. Der Hüttengeist „Durandl“ begleitete die Schüler dabei als Maskottchen. Das Vorwissen aus dem Unterricht erleichterte die Beantwortung der Fragen erheblich und die Schüler ernteten dafür ein dickes Lob von der Museumsführerin. Nun ging es zur derzeit laufenden Josef-Welzel-Ausstellung. Usija Wallner hatte dazu ein museumspädagogische Programm für Schulklassen- und Vorschulkinder entwickelt. Hier konnten die Schüler die weltberühmten Nachbildungen antiker Gläser sehen und befühlen. Angeregt durch die Ausstellung durften sie sich dann selber künstlerisch betätigen und in der Museumswerkstatt eine Amphore in Faltschnitttechnik anfertigen und verzieren. Barbara Stadler betreute die Kinder und wurde dabei von Museumsmitarbeiterin Andrea Uhrmann dabei unterstützt. Stolz nahmen die Kinder ihre Kunstwerke mit nach Hause.
Text und Fotos: Evi Wenig


Klassen 3/4 und 4 vor der Eisch-Glashütte mit Karin Wagner und Corinna Lerach-Wirsich
 


Alfons Eisch mit den Schülern vor dem Schmelzglasofen

 


Eine Kleingruppe beim Bearbeiten des Kinder- Museumsführers